Die "Goldene Bibliothek" ist der Hauptsitz der Söldnergilde Blutgard:
Text aus der Olaf-Epos-Saga von Simon Faber:
Hierbei beschreibt er einen Besuch der Hauptfigur Olaf bei der Söldnergilde Blutgard.
Olaf bei den Söldnern
Blothgard, 06. Blütenmond, 15 n. E.
Das ist schon ein merkwürdiger Haufen, zu dem mich Francesca da geschickt hat.
Der Name, schon. "Söldnergilde" - bisschen protzig, als würde es nur eine geben. Und dann ham' sie wohl doch alle dem Pakt geschworen, aber das heißt ja wohl, dass sie für lau kämpfen? Kann ich mir bei dem Soldvolk, dass ich so kannte, nicht vorstellen. Und dann das Lager; die ham tatsächlich sich in 'ner Bücherei breitgemacht. Nicht nur Bücher, alles mögliches altes Zeug haben sie da, vor allem Schmuck und so kleine Statuen und Geschirr und Vasen, aus den Häusern hier. Vieles mit Gold und Silber ... das kann ich dann wieder verstehen.
Es ist trotzdem auf jeden Fall immer noch ein Kriegshaufen, also nicht gut darin, ihren Dreck selber wegzuräumen. Da komm ich dann ins Spiel. Hatte heut Gelegenheit, mich mal'n bisschen umzusehen. Neben dem Bücherhort (da lassen sie mich nur mit Wache rein, misstrauische Bande) haben sie noch 'n anderes Lager, in so zwei großen Häusern, mit Turm. Gute Übersicht, über die Oberstadt, leicht zu verteidigen. (Das passt dann wieder.) Sogar mit'm kleinen Garten dazwischen, für Grünzeug - kann man nur schwer per Schiff hierauf schaffen. Solange sie genug Wasser auftreiben können, ist das die Bande mit dem besten Essen im ganzen Viertel. Kann ja nur gut für's Anwerben sein.
Innendrin ... na, Söldner eben. Ich hab Rüstzeug eingesammelt, Betten gemacht, Lumpen und Müll rausgeschafft, Töpfe ausgekratzt, Stiefel gewienert, Kisten geschleppt und Mäntel ausgeklopft. Jetzt sieht's nach was aus Immer noch'n bisschen wild, aber so sind eben die Lager hier (und viele von den Gruppen sind da echt schlimmer). Hat was von'ner Kaserne, wie's das Stadtvolk hat, aber in 'nem Haus, das dafür viel zu fein ist. Für Söldner schon'n echtes Luxusleben. (Anheuern lassen werd' ich mich trotzdem nicht - ich häng' an meinem Leben.)
Was Burschen und Mädels selber angeht ... 'n bisschen seltsam sind sie immer noch. Manchmal gucken die sich so an, so ganz kurz, oder bewegen sich so, irgendwie gleich, als ob'ses abgesprochen hätten. Der eine meinte mal zu mir, die wären ein ziemlich verschworener Haufen, aber ich weiß nich, irgendwas ist da seltsam.
Und dass der andere mir gesagt hat, er hätt seinen Gott in'nem Anhänger dabei, der würd mit ihm reden, und früher wär' er mal unsterblich gewesen, aber jetzt hätt' er das hinter sich ... naja. Eben 'n merkwürdiger Haufen. Selbst für Söldner.
(Originaltext: Simon Faber, 2018)